Gängige Augenkrankheiten bei Pferden

Die Augenheilkunde bei Pferden umfasst alle Krankheiten und Zustände, die die Augen der Pferde betreffen. Zu den häufigen Erkrankungen gehören oberflächliche Hornhautgeschwüre, Uveitis und penetrierende Hornhautverletzungen.

Oberflächliche Hornhautgeschwüre

Zu den häufigen klinischen Anzeichen oberflächlicher Hornhautgeschwüre gehören Epiphorie (Tränenfluss), Photophobie (Schielen), geschwollene Augenlider und/oder Veränderungen der Farbe und des Aussehens der Hornhaut, der transparenten Schicht, die die Vorderseite des Auges bildet. Sie entstehen häufig, wenn die äußere Schicht der Hornhaut (der durchsichtige Teil des Auges), das so genannte Epithel, durch einen Gegenstand (Fliegenmaske, Heu, Krippen usw.) zerkratzt oder beschädigt wurde.

Hornhautgeschwüre sind infektionsanfällig und schmerzhaft, so dass die Behandlung in der Regel topische Antibiotika, topische Antimykotika, topische Atropinmedikamente, die zur Behandlung bestimmter Arten von Vergiftungen durch Nervengifte und Pestizide eingesetzt werden, oder orale Entzündungshemmer umfasst. Die Behandlungen können topisch mit Salben oder ophthalmischen Lösungen unter Verwendung eines subpalpebralen Lavage-Systems (SPL) verabreicht werden. Eine subpalpebrale Lavage ist ein Schlauch, der unter dem Augenlid platziert wird und bis zu einem Anschluss reicht, der häufig an der Mähne des Pferdes befestigt wird, um die Behandlung zu unterstützen. Im Laufe der Zeit können Pferde die Behandlung ablehnen, und die SPL erleichtert die Behandlung, insbesondere bei häufigen oder langfristigen Behandlungen.

Gelegentlich besiedeln Pilze, meist Aspergillus- oder Fusarium-Arten, das betroffene Geschwür und erschweren und verzögern den Heilungsprozess. Dieser Zustand wird als mykotische Keratitis oder Keratomykose bezeichnet. Der Verdacht auf eine Pilzerkrankung besteht in der Regel dann, wenn eine Resistenz gegen die anfängliche Antibiotikatherapie besteht; sie scheint schmerzhafter zu sein als bakterielle oberflächliche Hornhautgeschwüre. Pilzbedingte Keratitis sieht ähnlich aus wie oberflächliche Hornhautgeschwüre, weist aber häufig pathognomonische Läsionen in Form von fokalen gelb/weiß/grünen Bereichen (oft als Satellitenläsionen bezeichnet) im Stroma oder an der inneren Endotheloberfläche auf. Die Diagnose kann allein aufgrund der Anamnese und der klinischen Anzeichen gestellt oder durch eine Hornhautzytologie unterstützt werden, bei der eine Zellprobe entnommen und unter dem Mikroskop betrachtet wird. Die Behandlung ähnelt der von oberflächlichen Hornhautgeschwüren, allerdings werden zusätzlich topische oder systemische Antimykotika sowie autologes Serum verabreicht, um das „Schmelzen“ der Hornhaut zu unterstützen (ein Phänomen, bei dem die natürlichen Abwehrmechanismen der Hornhaut bei schwerer bakterieller oder pilzbedingter Keratitis beginnen, sich selbst zu verdauen). Hornhautgeschwüre sollten immer als Notfall betrachtet werden. Wenn die Infektion schwerwiegend ist und unbehandelt bleibt, kann sie zu einem Riss im Augapfel führen. Da die Hornhaut nur etwa 0,8 bis 1 mm dick ist, kann jede fehlende Schicht lebenswichtig sein. Bei rechtzeitiger und aggressiver Behandlung haben die meisten Hornhautgeschwüre eine ausgezeichnete Prognose.

Uveitis

Eine weitere häufige Augenerkrankung bei Pferden ist die Uveitis, die auch als „Mondblindheit“ bezeichnet wird. Sie verursacht eine Entzündung in den inneren, gefäßreichen Teilen des Auges, der Uvea. Die klinischen Anzeichen ähneln denen von Hornhautgeschwüren (z. B. Epiphora – Tränenfluss ins Gesicht, Photophobie – extreme Lichtempfindlichkeit, geschwollene Augenlider), allerdings ist der Augapfel oft diffus getrübt. Die Uveitis kann ein oder beide Augen betreffen und ist eine schmerzhafte Erkrankung. Unbehandelt kann die Uveitis die Sehkraft einschränken und zum Verlust des Auges führen. Zu den üblichen Behandlungen gehören örtliche und orale Entzündungshemmer, örtliches Atropin und, falls erforderlich, örtliche Antibiotika oder ein Cyclosporin-Implantat.

Die Uveitis, eine immunvermittelte Krankheit, ist in der Regel ein wiederkehrender und lebenslanger Zustand, der jedoch häufig medizinisch behandelt werden kann. Bei schweren Fällen von Uveitis kann die Entfernung des Augapfels oder eine Enukleation als letzte Möglichkeit der Behandlung empfohlen werden. Obwohl die Entfernung des Augapfels extrem erscheint, ist sie heilend, da der Augapfel die Quelle der Schmerzen und der Entzündung ist. Die rezidivierende Uveitis bei Pferden hat eine ungünstige Prognose und ist die häufigste Ursache für Erblindung beim Pferd.

Hornhautrisse

Die letzte häufige Augenerkrankung sind durchdringende Hornhautrisse. Meistens sind Risse auf einen Schlag zurückzuführen, wie einen Tritt oder das Anfahren eines festen Gegenstandes. Dabei handelt es sich um einen dringenden Notfall, der in den meisten Fällen an einen Augenarzt oder Chirurgen überwiesen wird, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Zu den klinischen Anzeichen gehören eine vorgefallene Iris, ein Hyphema (Blut innerhalb des Augapfels), ein Hypopyon (Eiter im Auge), Photophobie, Epiphorie, geschwollene Augenlider, Schielen und in den meisten Fällen ein Defekt der Hornhaut. Die Behandlung konzentriert sich darauf, weitere Schäden an den intraokularen Strukturen des Auges zu verringern und die Integrität und den Druck des Augapfels wiederherzustellen. Das Sehvermögen wird geprüft, und wenn das Pferd sehen kann, wird der Defekt häufig chirurgisch behoben. Nach der Operation wird die Läsion aggressiv behandelt, ähnlich wie bei einem oberflächlichen Hornhautgeschwür. Die Prognose hängt von der Schwere der Läsion, der Tiefe der Risswunde und dem Ausmaß der betroffenen intraokularen Strukturen ab, ist aber im Allgemeinen bestenfalls vorsichtig.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten, wenn Sie Tränenfluss, Schielen oder Veränderungen im Aussehen oder in der Farbe des Pferdeauges feststellen. Behandeln Sie Augenerkrankungen immer als Notfall.

Definitionen:

Hornhaut: äußere klare Schicht des Auges

Hornhautödem: überschüssige Flüssigkeit in den Schichten der Hornhaut

Hornhautgeschwür: zerrissene äußere Schicht des Auges

Epiphorie: Tränenfluss

Hyphema: Blut im vorderen Teil des Auges

Hypopyon: Eiter oder eitriges Material im vorderen Teil des Auges

Iris: farbiger Teil des Auges

Miosis: verengte Pupille

Mydriasis: erweiterte Pupille

Photophobie: Lichtempfindlichkeit, Blinzeln

Tapetum: reflektierende Schicht des inneren Auges, soll das Sehen bei schwachem Licht unterstützen

Uvea: innerer Teil des Auges, der die Gefäße des Auges einschließt, umfasst die Iris, den Ziliarkörper und die Aderhaut

Uveitis: Entzündung der inneren, gefäßreichen Teile des Auges

: ein charakteristisches klinisches Zeichen, das bei einer bestimmten Krankheit auftritt und deren Diagnose zweifelsfrei anzeigt

: stützendes Gerüst eines Organs (oder einer Drüse oder einer anderen Struktur), das gewöhnlich aus Bindegewebe besteht

: dünne innere Schicht einer Körperhöhle

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